Ducati Corse auf Aufholjagd – Honda und Yamaha verärgert

Seit dem letzten Jahr verfügt Ducati Corse – dank der neu geschaffenen Open Class Statuten – über einige Vorteile. Während sich die erfolgreichen Werksteams Honda Repsol und Yamaha Factory Racing zu Anfang der Saison 2015 noch gönnerhaft zeigten, bricht nun ein kleiner Machtkampf aus.

Obgleich die Ducati-Piloten schon zum Ende der Saison 2014 eine stärkere Konkurrenzfähigkeit unter Beweis stellten, sprach für Livio Suppo (HRC) Lin Jarvis (Yamaha) nichts dagegen, den Italienern auch in 2015 die Open-Vorteile zu gewähren. Konkret heißt das: Mehr Sprit (24 statt 20 Liter), weichere Hinterreifen, kein Einfrieren der Motorenentwicklung und mehr Motoren (12 statt 6). Ob Vor- oder Nachteil umstritten: Das Einheitssteuergerät von Magneti Marelli (ECU).

Grundsätzlich ist jedes Team berechtigt nach den Open-Richtlinien zu starten, das im Vorjahr keinen Sieg einfahren konnte. Stellt sich im Laufe der Zeit heraus, dass das Team konkurrenzfähiger gegenüber den Werksteams wird, werden die Vorgaben denen des „regulären“ Starterfelds teilweise angepasst: Bei einem 1., zwei 2. oder drei 3. Plätzen (jeweils im Trockenen) wird das Spritlimit um 2 Liter gesenkt. Und ab drei Rennsiegen dürfen die weicheren Hinterreifen nicht mehr eingesetzt werden.

Momentan halten sich die beiden Ducati Corse Piloten Andrea Iannone und Andrea Dovizioso konstant auf den Plätzen 3 und 4 der Fahrerwertung. Auch mit den bis dato schon eingebüßten Open-Vorteilen zeigen sie sich konkurrenzfähig und werden allmählich zu einer ernsten Gefahr für die führenden Werkteams von Yamaha und Honda.

Während sich die Movistar-Yamaha Fahrer Valentino Rossi derzeit um die Spitze streiten, ist der Vorjahres-Weltmeister Marc Marquez von Ducati bereits auf Platz 5 zurückgedrängt worden. Dessen Teamkollege Dani Pedrosa liegt durch drei verletzungsbedingte Rennausfälle punktemäßig deutlich zurück, mischt ansonsten aber an der Führung mit.

Dadurch, dass nun gleich sechs Fahrer nah beieinander um die Podiumsplätze kämpfen, ist die Weltmeisterschaft 2015 so spannend wie selten zuvor.

Was für das Publikum und die Fahrer spannend ist, ist den konkurrierenden Teams aber eher ein Dorn im Auge. Daher wird nun daran gearbeitet, die Open-Vorteile soweit zu verändern, dass Ducati schnellstmöglich seine Privilegien verliert. Ob das – nach den bis jetzt schon errungenen Technikfortschritten – der Erfolgslinie von Ducati noch Abbruch tun kann, bleibt allerdings fraglich.