Fussball WM 2022 Katar – das Aus für´s deutsche „Sommermärchen“?

Fussball WM 2022 KatarFussball-WM – das bedeutet für die Deutschen: Fanmeilen, Public Viewing und ausgelassene Partystimmung, die die ganze Nation erfasst. Wer an die „Sommermärchen“ 2006 und 2014 zurückdenkt, wird sich wohlmöglich vor allem an leicht bekleidete Fans und etliche getrunkene Biere erinnern. Oder auch an die zahlreichen Autokorsos, bei denen bunt bemalte Gesichter aus den offenen Verdecken der Cabrios grölten.

Dieser Anblick wird uns – egal wie unsere Nationalelf auch spielen mag – in 2022 wohl verwehrt sein. Die Fussball WM in Katar soll nämlich im November und Dezember ausgetragen werden.

Wie die FIFA auf so eine Schnapsidee kommt?

Fangen wir mal ganz von vorne an:

Anfang Dezember 2010 (also wohlgemerkt vor 5 Jahren!) erhielt Katar den Zuschlag der FIFA für die Ausrichtung der WM 2022. Nachdem einige Bewerberländer – wie z.B. Indonesien und Mexiko – aufgrund der nicht abgesicherten Finanzierung bereits vorab ausschieden, setzte sich das arabische Emirat in der Abstimmung gegen die USA, Südkorea, Japan und Australien durch. Bereits zu diesem Zeitpunkt gab es Bedenken bezüglich des Klimas in der Wüste Katars, die aber zunächst nicht weiter Beachtung fanden. Denn auf der Halbinsel am Persischen Golf sind im Sommer Temperaturen bis zu 50° C keine Seltenheit, wogegen winters das Thermometer bis auf 17° – teils sogar 10° – abfallen kann.

Abgesehen davon gab es zahlreiche Gegenstimmen, die die Eignung von Katar als Austragungsort aus diversen Gründen in Frage stellten. Genannt seien hier zum Beispiel mangelnde Fussball-Tradition im Land, Menschenrechtsverletzungen oder vermeintliche terrorismusfördernde Außenpolitik. Gerüchten nach wurden diese Bedenken beim FIFA-Exekutivausschuss aus dem Weg geräumt, indem einzelne Abstimmungsmitglieder durch Katar korrumpiert wurden.

Die Voraussetzungen

Für die WM-Bewerbung wurde von Katars Emirat das deutsche Plaungsbüro AS&P hinzugezogen, das eine Lösung zur Temperierung der Stadien entwickeln sollte. Dadurch sollte die Temperatur in den neu zu bauenden Stadien maximal 27° C betragen. Nichts desto trotz wurde bereits bei der Bekanntgabe des Ausrichtungsorts der WM 2022 die Überlegung in den Raum geworfen, den Ausrichtungszeitraum in die Wintermonate zu verlegen. Ergebnis: Erstmal ignoriert, später immer mal wieder zur Sprache gebracht und regelmäßig revidiert. Dann sollte zunächst die Fussball WM 2014 hinter sich gebracht werden, bevor man sich darum Gedanken macht. Und nun auf einmal scheint der Entschluss endgültig, die erste Winter-WM der Fussball-Geschichte auszutragen. Ganz offiziell wird der Beschluss aber erst bei der FIFA Exekutivkomitee Sitzung am 19. Und 20. März gefasst.

Was bedeutet das für die Fans?

Sollte die Fussball WM 2022 in Katar tatsächlich im November und Dezember ausgerichtet werden, wird auch gleich die Anzahl der Spieltage reduziert. Also: Mehr Gruppenspiele an einem Tag, kürzere Erholungsphasen für die Spieler, schnelleres Endergebnis. Für das Finale wird übrigens der 23. Dezember ins Auge gefasst. So kann man sich passender Weise über die Feiertage von dem ganzen WM-Trubel erholen. Auf den ein oder anderen Public Viewing Termin müssen wir dann also verzichten, dürfen uns dafür aber an dem Anblick der deutschen Spieler im Dauereinsatz laben.

Für die Fanmeile schmeißen wir alle DFB-Fanshirts, Cowboyhüte und Sonnenbrillen in Deutschlandfarben aus dem Schrank, um Platz für schwarz-rot-goldene Winterjacken und Skimützen zu schaffen. Die DFB-Fanschals dürften dann wohl Hochkonjunktur haben, sodass man sich am besten schon im Sommer (also zur bisher gewohnten WM-Startzeit) großzügig damit eindeckt. Anstatt dem typisch deutschen Brauchtum des Biertrinkens zu folgen, wärmen wir uns am Christkindl-Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt. Unserem Nationalstolz verleihen wir Ausdruck, indem wir das Dirndl bzw. die Lederhosen vom gerade erst beendeten Oktoberfest noch einmal auftragen – mit einem dicken Jankerl versteht sich.

Worauf wir allerdings im Winter verzichten müssen, sind die Bundesliga-Spiele. Die 1. Liga darf schon im Herbst in Winterpause gehen, um dafür im Folgejahr bis in den Sommer hinein zu spielen. Auch andere Sportarten, wie Skispringen, werden auf dem heimischen Fernseher nur bedingt zu sehen sein, da die Fernsehsender mit der Übertragung der WM-Spiele gut ausgelastet sein dürften.

Alternativ können wahre Vollblut-Fans natürlich direkt ins Land des Geschehens reisen und die Fussball WM vor Ort in Katar erleben. Da kann sogar die eingangs erwähnte, sommerliche Fanbekleidung wieder zum Einsatz kommen. Auf die Kommunikation in die Heimat muss man aber – zumindest per Google Talk und ähnlichen Medien – verzichten. Da herrscht nämlich strenge Zensur im katarischen Internet. Und auch als homosexueller Fan hat man in dem streng islamischen Staat keine gute Rechtsstellung. Aber an das ein oder andere können wir uns vielleicht schon bei der Fussball WM 2018 in Russland gewöhnen…